Welche Rolle spielt die Medienerziehung in KITAs?


TAKEAWAY FÜR PÄDAGOGISCHES FACHPERSONAL

  • Unplugged: KITAS sind schon sehr gut ausgerüstet mit Medien. Es müssen nicht für alle Kinder Digitalkameras und Tablets angeschafft werden. Beispielsweise können mithilfe von Medienfigurenbildern Gespräche geführt oder abgezeichnet werden.
  • Anschlusskommunikation: Kinder sprechen gerne über ihre Medienerlebnisse. Schauen Sie gelegentlich die kindlichen Medienformate an und ermöglichen Sie den Kindern, z.B. im Stuhlkreis, über Medien zu erzählen.
  • Fragen Sie nach den bevorzugten Medien der Kinder. Vielleicht müssen Gespräche über die klassischen Medien wie z.B. über das Bilderbuch auf andere, neuere Medien ausgeweitet werden.
  • Kinder wählen Medieninhalte, die zu ihrem jeweiligen Entwicklungsschritt stehen. Diese Inhalte, Medienfiguren spielen dabei eine wichtige Rolle, bieten Kindern Handlungsmuster und Handlungsalternativen an, um ihre Entwicklungsthemen zu bearbeiten. Finden Sie geeignete Medien für diese Themenfelder.

Kommentare, Fragen, Vorschläge? gf@mediolino.ch


Medienerziehung bezieht alle Medien ein. Dazu gehören Bilderbücher, Filme, DVDs, Kino, Radio, Kassettenrekorder, CD-Player, Handy, Tablet, Digitalkamera ebenso wie der Computer einschliesslich aller Geräte die daran angeschlossen sind. In der Medienerziehung wird der aktive Umgang und die kritische Auseinandersetzung mit diesen Medien gelernt. Dafür bieten sich altersentsprechend verschiedene medienerzieherische Aktivitäten an.

Welchen Stellenwert hat Medienerziehung, welches sind die medienbezogene Aktivitäten, sind Medien Gesprächsstoff und bestehen Hindernisse für die praktische Medienerziehung in Schweizer Kitas – das erfahren Sie hier.

Und wie sieht es in Schweizer KITAs aus? Welche Rolle spielt die Medienerziehung in der alltäglichen Arbeit? Wir fragen nach.

Auf die Eingangsfrage, welchen Stellenwert Medienerziehung im Kontext anderer Entwicklungs- und Lernthemen hat, nimmt Medienerziehung für die meisten Erzieherinnen und Erzieher die hinteren Ränge ein (Rang 6, 7 und 10). Im Vergleich zu anderen Bildungsbereichen wie “soziales Miteinander”, “Erziehung zur Selbständigkeit”, “Bewegungsspiele / Sport” und “Sprachförderung” wird die Relevanz der Medienerziehung gering eingestuft.

In den vertieften Gesprächen stellte sich heraus, dass die mediale Ausstattung der KITAs in den meisten Fällen sehr übersichtlich ist. Es sind überall Bücher, Digitalkameras, Audiomedien (Kassettenrekorder/CD-Player) und Computer/Internet/Drucker anzutreffen. Diese Erkenntnis deckt sich mit der Erhebung miniKIM 2014.

Die Fachkräfte wurden gefragt, welche medienbezogenen Aktivitäten Sie bislang in ihrer Einrichtung durchgeführt haben. In vielen KITAs wird regelmässig die digitale Kamera verwendet (57% regelmässig, 29% gelegentlich). Allerdings muss hier berücksichtigt werden, dass die Digitalkameras sehr oft zur Dokumentation und Portfolios genutzt werden. Ob und wie die Kameras zu medienerzieherischen Aktivitäten eingesetzt werden, kommt hier nicht zum Ausdruck.
Weiter zeigte sich, dass gelegentlich mit den Kindern im Internet gesurft wird (57%). In den Gesprächen gaben die Befragten an, dass sie vorwiegend nach Antworten für die fragenden Kindern suchen: “Wie kalt ist es auf dem Mond?”. Auch werden Ausmalbilder gesucht und ausgedruckt. Knapp ein Drittel gibt an, dass Kindersendungen gelegentlich in der KITA nachgespielt werden (29%). Auch das Aufnehmen von Geräuschen, Gesang und Geschichten wird von einem kleinen Teil der Fachkräfte (14%) gelegentlich, (14%) selten durchgeführt. Ein weiterer kleiner Kreis der Befragten bastelt regelmässig zum Thema Medien und erstellt regelmässig Filme (je 14%).

Für über 70% der Befragten steht das Gespräch mit den Kindern zu Bilderbüchern, Musik und Fotos auf der Tagesordnung. Knapp die Hälfte attestiere (43%), dass auch über Hörbücher regelmässig gesprochen wird, ein kleinerer Teil (29%) spricht regelmässig über Fernsehsendungen, DVD und Filme. 43% der Erzieherinnen und Erzieher bestätigen, dass sie gelegentlich über das Internet sprechen. Inhalte aus Computerspielen werden auch ab und zu behandelt (14% regelmässig, 43% sehr selten) genauso wie Handy (14% gelegentlich, 29% selten, 43% sehr selten). Über Kino und Appspiele sprechen 43% der Befragten mit den Kindern nie.

Interessant sind diese Aussagen vor allem auch vor dem Hintergrundwissen verschiedener Studien. Laut miniKim 2014 beschäftigen sich Vier- bis Fünfjährige mit dem Fernseher als auch mit Videos, DVDs, Computer-, Konsolen-, und Onlinespielen. Die Studie mpfs 2013, MiniKim 2012 besagt, dass bereits in diesem Alter die Bindung an das Buch abnimmt und Kinder zum ersten Mal an das Internet herangeführt werden.

Auf die Frage hin, worin die Erzieherinnen und Erzieher die grössten Hindernisse für die praktische Medienerziehung sehen, nannten sie am häufigsten infrastrukturelle Rahmenbedingungen. Von einigen wurde auch genannt, dass die Kooperation mit Eltern sowie deren Verständnis für Medienerziehung als schwierig bewertet wird. Ausserdem werden andere erzieherische Prioritäten gesetzt (siehe Ergebnis der ersten Frage).

 

Literatur

  • mpfs (2015): MiniKim 2014. Stuttgart.
  • mpfs (2013): MiniKim 2012. Stuttgart.
  • Förderung von Medienkompetenz in Bremer Kindertageseinrichtungen (2013). Bestandesaufnahme und Befragung von Fachkräften in Bremen und Bremerhaven zur frühen Medienbildung.
  • Wassilios E. Fthenakis (2009): Frühe Medienbildung.

 

 

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